2.3. Sängerstimme: Dynamik

Die Stimmkraft.

Die Stärke jedes Tons (seine Intensität) ist eine subjektive Wahrnehmung des Schalldrucks, die von der Amplitude der Oszillationen in der Schallquelle, das heißt von der Schwingungsamplitude, abhängt. Das Verhältnis zwischen verschiedenen Ebenen der Lautstärke nennt man Dynamik.

Die Schwingungsamplitude der Schallquelle ist unabhängig von der Frequenz, bestimmt aber die Lautstärke. Zum Beispiel, wenn Sie an die Klavierseite mit einem Hammer leicht schlagen, und dann stark, so wird sich die Tonhöhe nicht verändern. Dies wird sich nur die Schwungfrequenz der Saite ändern, d.h. die Kraft, mit der die Saite auf die Luftteilchen drückt. So, je größer die Schwungfrequenz der Luftteilchen ist, desto lauter wird uns der Ton scheinen.

Die Stimmkraft, sowie auch die Höhe, wird im Kehlkopf auf der Ebene der Stimmlippen produziert und steigt mit zunehmender Kraft vom subglottalen Druck. Der subglottale Druck beeinflusst reflexartig den Grad der Stimmlippenschließung. Je größer er ist, desto enger schließen sie sich, um diesen Druck zu widerstehen. Je höher der Druck ist, mit dem die Luft durch die Stimmritze kommt, desto mehr Energie hat sie, desto größer ist der Grad der Kondensation und die anschließende Verdünnung, d.h. die Oszillationsamplitude der Luftteilchen steigt und damit wird der Druck auf das Trommelfell der unser Ohr stärker. So wird die Stimmkraft mit dem subglottalen Druck bestimmt.

Jeder Sänger hat sein Limit der Lautverstärkung durch die Erhöhung vom subglottalen Druck. In Crescendo-Gesang entsteht zuerst ein lineares Verhältnis: je mehr der Druck ist, desto lauter ist der Ton. Aber bald kommt der Zeitpunkt, wenn, egal wie der Sänger sich anspannt, seine Stimme nicht lauter wird, bis es in ein Geschrei geht, das der Sängerstimme alle seine Qualitäten entnimmt.

Physiologisch gesehen, der Phonationsstellung wird der subglottale Druck unwillkürlich durch Reflexbewegungen des Zwerchfells und ändernde Volumina der Atemwege, entsprechend der Position der Artikulationsorgane bei verschiedenen Phonemen gesteuert.

Das Limit des subglottalen Drucks hängt vom allgemeinen körperlichen und emotionalen Zustand des Körpers bei dem Singenden, von der Arbeit seiner endokrinen und Nervensystem, Raumakustik und vielen anderen Faktoren.

Psychologisch gesehen, kann er willkürlich geändert werden, entsprechend dem Absicht des Sängers, einen lauten oder einen leisen Laut zu produzieren, und dem Willensimpuls.

Um verschiedene dynamische Abstufungen der musikalischen und vokalen Tönen prägen die Musiker solche Bezeichnungen wie f, mf, p, mp, und andere Abstufungen. Im Gegensatz zur Höhe, sie sind nicht absolut, das sind relative Begriffe. Ihre Interpretation hängt von den Eigenschaften der auditiven Wahrnehmung und Verarbeitung dieser Informationen in unserem Gehirn ab.

Besonderheiten der Stimmenwahrnehmung vom Gehör.

Unser Ohr hat unterschiedliche Empfindlichkeit in der Wahrnehmung der Stimmkraft, entsprechend der Tonhöhe. Die Anlaute, die gleiche Kraft haben, aber unterschiedlich in der Höhe sind, scheinen uns unterschiedlich in der Lautstärke. Hohe Laute werden vom Ohr als lautere wahrgenommen, als die dunklen, obwohl der absolute Schalldruck kann der gleiche sind. So sind die Stärke und das Volumen im Hinblick auf die Akustik keine Synonyme.

Für eine genauere Schätzung der Stimmkraft, das heißt, ihres Absolutwerts wird er in der Regel mit einem speziellen Gerät - dem Rauschmesser - gemessen. Die Maßeinheit ist ein Dezibel (dB).

Die Physiologie des menschlichen Gehörs ist so, dass sie nicht genauso empfindlich zu Klängen mit unterschiedlicher Höhe ist. Die Wissenschaftler haben die Hörschwelle in der ganzen Bandbreite gemessen und seine Parameter bestimmt.

Die Hörschwelle ist solche Lautstärke, die das menschliche Ohr kaum unterscheiden kann.

Die durchschnittliche Hörschwelle des Menschen ist durch Messung der Hörschwelle einer großen Anzahl von Patienten mit einem normalen physikalischen und musikalischen Gehör errechnet. Sie kann in einem Diagramm dargestellt werden:

Bild 11. Graphische Darstellung der durchschnittlichen Hörschwelle des Menschen.

Wie aus der Darstellung ersichtlich ist, hat die menschliche Hörschwelle für jede Tonhöhe einen anderen Klangeffekt.

Jeder Mensch hat eine individuelle Hörschwelle, aber eine Regelmäßigkeit gibt es bei allen Menschen: das menschliche Ohr am empfindlichsten für die Frequenzen zwischen 1000 und 3000 Hz ist.

So kann die Stimmkraft von einer Reiche der Faktoren abhängen: von der Tonhöhe, vom Vokaltyp, von der Artikulationsart, vom physikalischen (das endokrine System) und emotionalen Zustand des Sängers, von den Resonatoren, Gesangstechniken usw.

Über die Glättung der Vokale.

Die Gesangspädagogik konzentriert sich auf der Abgeglichenheit des Stimmtons auf allen Vokalen, denn dies ist eine der wichtigsten Eigenschaften der geschulten Stimme. Deshalb ist die Glättung von Vokalen eine der größten Herausforderungen in der Arbeit mit einer Sängerstimme. Bei einem erfahrenen Sänger mit einer gut geschulten Stimme klingen alle Vokale gleich, nicht nur in Kraft, sondern auch in der Klangfarbe. Die "Vielfalt" des Stimmklangs, wenn alle Vokale in unterschiedlicher Weise gebildet werden, lässt einen unerfahrenen Sänger erkennen.

Oft klingen bei Einsteigern einige Vokale dynamisch und klangfarbig besser, andere aber schlechter. Das zeigt einen individuellen Charakter. Die Aufgabe des Lehrers ist, beim Schüler einen gut klingenden Vokal zu finden und nach seinem Modell die anderen zu ausschlichten, ohne die phonetische Gewissheit zu verändern.

Die Vokale "ausschlichten" bedeutet, dass der Sänger versuchen muss, so weit wie möglich die Artikulationsposition, die sich spontan auf dem gut klingenden Vokale gebildet wurde, beim Singen aller anderen Vokalen, das heißt zu lernen, alle Vokale mit einer gleichen Vokalposition.

Sänger unterscheiden die niedrige und die hohe stimmlichen Position entsprechend der An- oder Abwesenheit der Vibration in der Maske.

Von der akustischer Sicht, der Gesang in der hohen Position wird mit Resonationsanlaut begleitet, und in der niedrigen ist es möglich, dass die Resonatoren überhaupt nicht beteiligt sind. Das beeinflusst sehr stark den Stimmklang.

Physiologisch betrachtet, ist die "Position" mit der relativen Stabilisierung des Artikulationsapparates und der Kehlkopfposition beim Singen auf verschiedenen Vokalen, was eine der Bedingungen für die Glättung der Vokale ist.

Die Aufgabe der Glättung der Vokale ist nicht nur mit individuellen Eigenschaften der Sänger verbunden, sondern auch mit dem Vokalgenre. Darum kann man dieses Problem auf verschiedene Weisen gelöst werden, je nach der Spezifik des Stimmklangs entsprechend den stilistischen Traditionen. Zum Beispiel, im akademischen Gesang ist die Abdeckung und ein beschlossener, runder Stimmklang auf dem Modell der Vokale O, U üblich. Im Volksgesang ist der Ton nach dem geöffneten Vokal I gebildet, und im Pop basiert man den Ton auf dem offenen Vokal Ä. Aber man kann oft im Konzert Sänger treffen, die Folk-und Pop-Songs in einer klassischen Weise singen.

Um die Vokale beim Singen gleich zu machen, muss der Singer versuchen, den weichen Gaumen in der gleichen Position für alle Phoneme zu halten, und beim Singen von Vokalen in unterschiedlicher Höhe gilt das Prinzip: je höher die Note ist, desto höher der Gaumen. Nur in diesem Fall kann man die Kehlkopfanhebung aufgrund der Tonerhöhung vermeiden und seine relative Stabilität beim Singen von unterschiedlichen Tonhöhen behalten.

Der Lage der Artikulationsorgane entsprechend, kann man die Reflexbewegungen nicht nur im Kehlkopf, sondern auch im Zwerchfell beobachten. Hier ist die Koordination im Stimmbildungsapparat dargestellt, das Energie-, Generator- und Resonanzsystem umfasst, d.h. Atmung, Rachen und Artikulationsapparat.

Beim Singen mit geschulter Stimme benehmen sich der Kehlkopf und das Zwerchfell wie zwei Enden eines Spannfeders. Stabilisierung des Kehlkopfes fordert die entsprechende Zwerchfellposition. Deshalb muss man sich beim Phonationsausatmen bemühen, die Einatmungsposition zu behalten, das gehört zur Einatmungsposition, vor allem des Zwerchfells, und damit auch des Kehlkopfs.

Lautstärke und Tonhöhe der Stimme.

In der Sängerstimme es eine Reflexbeziehung zwischen der Lautstärke und der Tonhöhe. Die Tonhöhe der Stimme erhöht unwillkürlich die Lautstärke, und umgekehrt.

Das gleiche Besonderheit der Stimme liegt der historisch gebildeten ästhetischen Regelmäßigkeit in der Darstellung von einer musikalischen Phrase sowohl in der Vokal-, sondern auch in der Instrumentalmusik zugrunde: Die Melodie wird in der Regel aufwärts mit crescendo begleitet, und nach unten kommt sie mit diminuendo. Der Eindruck von der Lautverstärkerung mit der Melodiebewegung aufwärts kann selbst mit der Tonerhöhung verbunden sein.

Physiologische Besonderheit unseres Gehörs ist so, dass hohe Töne für das menschliche Ohr empfindlicher sind als dunkle. Deshalb, wenn der Sänger eine aufsteigende Skala mit gleicher Kraft singen wird, dann wird der Zuhörer das Gefühl haben, dass der Ton wie verstärkt klingt. Und, weil er beliebig die Lautstärke der Stimme ändern kann, kann man diesen Eindruck noch verstärken mit besonderen künstlerischen Herausforderungen.

Die Fähigkeit, einen aufsteigenden Oktachord zu singen, ohne die Lautstärke zu vergrößern, d.h. ohne die Stimme anzuspannen, so einfach und sicher wie primäre Lauten im Sprachfrequenzbereich, ist ein Zeichen der richtig geschulten Stimme des Sängers.

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