1.1 Physiologische Grundlagen des Singens

Struktur und Funktionsweise des Stimmgebungsapparats während der Phonation sind die physiologischen Grundlagen des Singens. Der menschliche Stimmgebungsapparat ist ein komplexes anatomisches Konzept, das die Atemorgane in allen Atemwegen ufasst. Der wichtigste Mechanismus dieser Funktion ist der Gasaustausch, der als Grundlage für alle anderen Funktionen des Organismus gilt.

Während der Stammesentwicklung wurde die angeborene Schutzfunktion in den oberen Atemwegen möglich, dank den speziellen Muskelsystemen, die sich dort befinden. Diese Funktion wird in extremen Lebensbedingungen aktiv, wenn ein lebender Organismus in eine feindliche Umgebung gerät. Der Kehlschließmuskel schließt sich automatisch, um die internen Atmungsorgane gegen das Eindringen von schädlichen Gasen zu schützen.

Als Ergebnis der Weiterentwicklung und Verbesserung des biologischen Systems des Menschen haben die Atmungsorgane eine weitere gesellschaftlich wichtige Funktion in Sprache und Gesang, die stimmbildende Funktion, nachgeschafft.

Zusammenfassend kann der stimmbildende Komplex als ein System von drei Bestandteilen dargestellt werden: das Atmungssystem, das Laryngen und das Sprachbildungsapparat. Im Hinblick auf die modernen Physiologie und Phoniatrie werden diese Komponenten als drei Subsysteme behandelt:

  • Energiesystem (Lunge, Bronchien, Luftröhre, inhalierende und exspiratorische Muskeln);
  • Generatorsystem (Kehlkopf und Stimmbänder);
  • Resonatorsystem (epiglottischer Sprachbildungsapparat - die Vorhalle des Kehlkopfs, Schlundkopf, Mund und Nase und auch die Nasennebenhöhlen).

Alle drei Teile des stimmbildenden Systems funktionieren in den Naturbedingungen konsequent und streng koordiniert, dank der vereinigten Innervation, die von der höheren Nerventätigkeit (Großhirnrinde) angetrieben wird.

Zwischen allen Teilen des stimmbildenden Systems besteht eine Reflexbeziehung: wenn zum Beispiel die Atemwege aktiviert werden, dann wird das die Arbeit der Artikulationsorgane beeinflussen, und umgekehrt. Um diese Beziehung richtig zu nutzen, ist es notwendig, die Biomechanismen der Tonproduktion in Gesang, die Stimmlage, die Vokalbildung, die Dynamik und den emotionalen Eindruck vom künstlerischen Bild des Werkes gründlich zu verstehen.

Die Basis der Stimme ist die Luft. Ohne Luft wird die Aussprache unmöglich. Diese Bedingung ist die Grundlage für die menschlichen Gehörorgane. Die aus den Lungen ausgeatmete Luft läuft unter Muskeldruck über die Atemwege und wird als einen Luftstrahl zu dem Laryngen gesendet, wo die Aussprache entsteht.

Wenn der Epiglottis durch das Kehldresonationssystem durchgeht, untergeht der Anlaut eine akustische Verarbeitung, eine Art Filterung. Deshalb hat der Gesangsanlaut, wenn er aus dem Mund kommt, so viele Unterschiede von der ursprünglichen Quelle an den Stimmlippen.